Der unbekannte George Orwell

Den meisten ist George Orwell als Autor von Animal Farm und 1984 bekannt. Beide Romane konnten in Unkenntnis der Biographie des Autors als reine Kritik am Kommunismus gelesen werden, dies trug im Klima des Kalten Krieges wohl zu deren Erfolg im Westen bei. Doch anders als es die antikommunistischen Rezipienten gerne hätten, spielt 1984 nicht in Russland, sondern in England und dies ist kein Zufall.

Orwell hatte 1984 nicht in der Absicht geschrieben, gegen den Sozialismus oder die Labour Party zu agitieren; vielmehr wollte er mit seinem Roman darauf aufmerksam machen, dass der Totalitarismus [1]auch im Westen obsiegen könnte, wenn man ihm nicht entschlossen genug entgegentrete. Die linksliberale 1984-Rezeption wiederum beschränkte sich meist nur auf die technischen Überwachungsaspekte des Buches. Die Kritik an der Geschichtsschreibung, der Umbau der Sprache, die Abkehr vom Wahrheitsgedanken und der Verfall des Rechtssystems wurden ausgeklammert: Denn bei diesen Themen würden viele linksliberale und postmoderne Rezipienten selbst von Orwells Kritik getroffen.

Dem Sozialisten Orwell kann die rein antikommunistische Lesart seiner Bücher nicht angelastet werden. Er schrieb seine Kritik um den Gedanken an eine befreite Gesellschaft zu retten und hatte zeitlebens nie ein Geheimnis um seine Sympathie für eine vernünftig eingerichtete Welt gemacht. In seinem Text Zur Verhinderung von Literatur aus dem Jahre 1946 schrieb er: „Einem kann man zustimmen, und die meisten aufgeklärten Menschen tun dies auch: daß, wie die Kommunisten erklären, wahre Freiheit nur in einer klassenlosen Gesellschaft möglich sei und daß heute derjenige schon annähernd frei ist, der für das Zustandekommen einer solchen Gesellschaft kämpft.“ (George Orwell: Rache ist sauer. Zürich 1975,  S. 81)

Trotz seines Engagements in der linkssozialistischen Partido Obrero de Unificación Marxista (POUM) während des Spanischen Bürgerkriegs blieb auch die radikale Linke vor seiner schneidenden Kritik nicht verschont. Dass sie die Kritik traf, war zwei Umständen geschuldet: die Anhängerschaft oder zumindest Duldung der stalinistischen Politik und ihr Pazifismus im Zweiten Weltkrieg.

„Objektiv betrachtet ist der Pazifist pro-nazistisch.” (George Orwell)

Entgegen der eigenen Selbstdarstellung, hatten sich die Gruppen und Parteien links der Labour Party im Kampf gegen die Nazis nicht mit Ruhm bekleckert. Als deutsche Kampfflugzeuge Großbritannien bombardierten, flüchtete sich ein Großteil der britischen Linksradikalen in einen abstrakten Pazifismus und verurteilte den Kriegseintritt Großbritanniens. Dem kriegsbefürwortenden Orwell blieb nichts anderes übrig als 1940 enttäuscht zu schreiben: „Ich war eine Zeitlang Mitglied der Independent Labour Party, trat aber zu Beginn des gegenwärtigen Krieges wieder aus, weil ich glaubte, dass diese Leute Unsinn redeten und eine politische Richtung verfolgten, die Hitler seine Vorhaben nur erleichtern konnten. (Ebd., S. 8) Als einer der den Antisemitismus  [2]ernst nahm, wusste Orwell auch, welche Frage der Lackmustest für den Pazifismus war: „Was passiert mit den Juden und Jüdinnen?“ kann man einfach zusehen wie sie ausgerottet werden und welche anderen Mittel als der Krieg bleiben, um die Vernichtung der Juden und Jüdinnen zu verhindern. Denn: „Wann und wo ist je ein moderner Industriestaat zusammengebrochen, sofern er nicht von außen mit militärischen Mitteln erobert worden ist?“ (Ebd., S. 26) Bis auf Gandhi seien dieser Frage alle Pazifisten und Pazifistinnen aus dem Weg gegangen und dieser habe die Frage in einer Deutlichkeit beantwortet, die in jedem Pazifisten und jeder Pazifistin die Abscheu vor sich selbst hätte hervorrufen müssen. Gandhi plädierte für einen kollektiven Selbstmord der Juden und Jüdinnen, um Deutschland und die Welt gegen Hitler aufzurütteln. Nach dem Krieg rechtfertigte er dies mit dem Umstand, dass die Juden und Jüdinnen sowieso gestorben wären. (Vgl. Ebd., S. 167)

Abseits seiner Kritik am Pazifismus lenkt Orwell den Blick auch auf einen weiteren Aspekt, der auch heute noch wirkmächtig ist: „Die Wahrheit wird zur Unwahrheit, wenn der Feind sich äußert.“ (Ebd., S. 16) Kriegsverbrechen die gestern noch geglaubt wurden, bezweifelte die britische Linke ab dem Zeitpunkt, als auch die englische Regierung ihren Blick auf sie warf. Wusste die Linke in Großbritannien vor 1938 bestens über die Vorgänge in Deutschland Bescheid, zweifelte sie nach dem Kriegseintritt Großbritanniens gegen Deutschland sogar an der Existenz der Gestapo.

Freunde machte sich Orwell mit derlei Analysen in weiten Teilen der Linken natürlich keine. Doch sein Wahrheitsanspruch war ihm wichtiger als Leuten zu schmeicheln die zufällig auch irgendeine Vorstellung von Sozialismus hatten. So schrieb Orwell 1948: „Vielleicht ist es nicht einmal ein schlechtes Zeichen für einen Schriftsteller heute, reaktionärer Tendenzen verdächtigt zu werden, so wie es vor zwanzig Jahren ein schlechtes Zeichen gewesen wäre, nicht der Sympathie für den Kommunismus verdächtigt zu werden.“ (Ebd., S. 179)


[1] Orwells Totalitarismus Begriff liest sich sehr klassenkämpferisch und ist an die marxistischen Faschismustheorien seiner Zeit angelehnt: „Eine Gesellschaft wird immer dann totalitär, wenn ihre Struktur offenkundig künstlich wird, das heißt, wenn die herrschende Klasse ihre eigentliche Funktion verliert und sich nur noch durch Gewalt oder Betrug an die Macht klammert.“

[2] Den Antisemitismus verortete er nicht nur in Europa und in seiner Aufzählung der Anhänger des Faschismus finden sich neben den europäischen Nazikollaborateuren auch die Namen, Ezra Pound, Father Coughlin und den Mufti von Jerusalem. In einem Reisebericht über Marrakesch schrieb er bereits 1939 über den Antisemitismus den er dort vorfand. (George Orwell: Im Inneren des Wals. Zürich 1975, S. 81)

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Zur Unmöglichkeit der Liebe

Zuerst erschienen in der Unique 12/11

Von Michael Fischer

Das Thema Liebe ist allgegenwärtig. Keine gute TV-Serie und fast kein Hollywoodstreifen kommen an ihr vorbei. Nichts wird so oft besungen, kein Stoff wird öfter literarisch verarbeitet. Jeder sehnt sich nach dem Gefühl des erfüllt und glücklich gemeinsam einsam auf der Welt Sein, das in der Liebe erfahren wird.

Die gesellschaftliche Vergänglichkeit der Liebe ist dagegen meist kein Thema und wenn, wird es meist oberflächlich behandelt (1). Dies hat einen Grund: Liebe wird als Konstante der menschlichen Natur selbst angesehen und zudem aus der Biologie abgeleitet. Nichts Neues also in der bürgerlichen Gesellschaft, in der auch der Kapitalismus naturalisiert und aus dem Wesen des Menschen selbst erklärt wird. Daraus resultieren solch zugleich schrecklich pragmatischen,  als auch unromantische Textstellen wie folgende: „Grundsätzlich sind wir Menschen nicht für langjährige Beziehungen geschaffen. Aus biologischer Sicht ist eine Bindung an einen Partner nicht länger nötig, als das Gründen einer Familie dauert. Dennoch brauchen die meisten für das eigene Wohlbefinden eine gewisse Kontinuität, also ein entsprechendes Maß an Beständigkeit.“ (2)

Eine Geschichte über Liebe

Die Liebe hat die Freiheit der Wahl zur Voraussetzung und diese Freiheit ist an gesellschaftliche Bedingungen geknüpft und entspringt nicht der Biologie. Nach Jean Paul Sartre, der selbst ein eher widersprüchliches Verhältnis zur Liebe hatte, definiert sich diese dadurch, dass die oder der Geliebte von der oder dem Geliebten nur aus freien Stücken geliebt werden kann.

Historisch gesehen entwickelte sich die Liebe aus der Opposition gegen die Polygamie und die mittelalterliche Ehe. In beiden Formen war Sexualität gleichbedeutend mit Herrschaft, denn die Polygamie (die nicht mit Promiskuität verwechselt werden darf) hatte die Sklaverei zur Voraussetzung und die mittelalterliche Ehe war durch Zwang charakterisiert. Diese Identität von Herrschaft und Sexualität vermochte erst die individuelle und zugleich romantische Liebe zu durchbrechen. (3) Zogen die bürgerlichen Revolutionäre auf dem politischen Schlachtfeld mit den Parolen von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit gegen die personale Herrschaft des Adels und damit des Feudalismus zu Felde, richtete sich das bürgerliche Liebesideal gegen die bis dahin ausschließlich durch Herrschaft charakterisierten sexuellen Beziehungen der Menschen . Was zwar weiterhin kritikwürdige und sexistische Formen des Zusammenlebens hervorbrachte, aber einen Fortschritt gegenüber den vorangegangen gesellschaftlichen Stufen darstellte. Doch die Glücksversprechen der bürgerlichen Ideologie blieben unerfüllt, sowohl in ihrer gesellschaftlichen, als auch  in ihrer romantischen Dimension.

Die verwaltete Welt

So erging es der Liebe wie der Freiheit, von beiden war unentwegt die Rede, doch wurden die Begriffe ihres Inhalts entledigt. Was war geschehen? Das relativ selbstbewusste, zur Liebe noch befähigte Individuum, war verschwunden. Folgt man der Analyse der kritischen Theorie von Theodor W. Adorno, Max Horkheimer oder Herbert Marcuse, verwandelten sich die Menschen im Laufe des 20. Jahrhunderts in Verwaltungsobjekte. Herrschaft wurde in Zeiten der verwalteten Welt als rational anerkannt und sogar ins Ich übernommen. Das Individuum identifiziert sich mit den von außen kommenden Normen und damit mit der Gesellschaft. Opposition gegen die Gesellschaft ist unter diesen Bedingungen nur mehr schwer denkbar. Die Menschen erhielten sich aus der kurzen liberalen Phase des Kapitalismus, in der Individualität erst möglich wurde, nur die Eigenschaften, die sie in der Gesellschaft für ihr wirtschaftliches und persönliches fortkommen gebrauchen konnten. Dazu gehört vor allem die Härte gegen andere und auch sich selbst. Gerade die unpraktischen aber liebenswürdigen Eigenschaften gingen dabei verloren. Allen voran die Leidenschaft in der Liebe, wie auch in der Gesellschaftskritik. Der Satz von Karl Marx: „Die Kritik ist keine Leidenschaft des Kopfes, sie ist der Kopf der Leidenschaft“ (4) wurde und wird deshalb leider immer unzeitgemäßer. Marcuse ging in seinem Werk Der eindimensionale Mensch sogar soweit zu schreiben: „Die Feier des autonomen Charakters, des Humanismus, tragischer und romantischer Liebe erscheint als Ideal einer rückständigen Entwicklungsstufe.“ (5)

Wie schon angedeutet, ging mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung auch der Verlust jedes transzendenten Gedankens einher. Die Widersprüche im Kapitalismus blieben klarerweise weiterhin bestehen, doch ihnen galt es nun therapeutisch beizukommen – der Blick für das ganz andere ging den meisten Menschen  verloren. Dieses therapeutische Moment tritt uns heute auch in Form von Beziehungsratgebern entgegen.

Anleitung zur Liebe

Verlangt sind, Stärke, Autonomie, Individualität, Konfliktbewältigung und Flexibilität. Dies klingt zwar nach einem  Qualifikationsprofil für einen Job in den höheren Etagen eines Wirtschaftsunternehmens, glaubt man verschiedensten Beziehungsberatern im Internet oder auf dem Buchmarkt garantieren diese Attribute  in der heutigen Gesellschaft eine erfolgreiche Beziehung. Was schon der Name Beziehung verrät, offenbaren die geforderten Eigenschaften nur noch mehr: Mit einer romantischen Vorstellung von Liebe hat das nicht mehr viel zu tun. So meint auch Autonomie in der Beziehung, anders als in der romantischen Liebe, nicht die der Geliebten von der Gesellschaft, sondern voneinander.

Auch über die Trennung wird in einer formalisierten Sprache geschrieben, wie man sie auch aus Bedienungsanleitung für Elektrogeräte kennt. Nur erklärt einem die Anleitung nun in 15 Schritten, wie man die oder den Ex zurück bekommen kann. Die eigene Schwäche und Ohnmacht, die im Verlassen sein erlebt wird, soll so schnell wie möglich therapiert werden. Deshalb bekommt der oder die Verlassene auch tolle Tipps auf den Weg mit: Triff dich mit Freunden und lerne neue potentielle Partnerinnen kennen – Hauptsache du funktionierst bald wieder. Brüche oder Erfahrungen die daraus resultieren, sollten nicht zugelassen werden. Zur Trauer hat man aufgrund von Verpflichtungen im Beruf oder auf der Uni zudem kaum Zeit.

Ende des Widerspruchs, Ende der Liebe?

Nach Adorno ließ selbst noch die zurückgewiesene oder verlorene Liebe das Individuum den Widerspruch zur Gesellschaft erkennen. Da Liebe das Allgemeine an das Besondere, die einzelnen verrät, setzt sich mit dem Liebesentzug das Allgemeine gegen das Individuum durch. Die oder der Verlassene fühlt sich von allen verlassen. In der Sinnlosigkeit seines nun lieblosen Schicksals, offenbart sich ihm das Unwahre aller bloß individuellen Erfüllungen. (6) Dieser Widerspruch kann zu so etwas wie Gesellschaftskritik führen – muss es aber natürlich nicht

Weil sowohl Liebe als auch die Gesellschaft als naturgegeben gelten, kann das allgegenwärtige Scheitern der Liebe, nur aus den individuellen Fehlern der Liebenden erklärt werden, denen mit therapeutischen Maßnahmen beizukommen sei. Dass die gesellschaftlichen Bedingungen verstümmelte Individuen hervorbringen, die zur Liebe nur mehr bedingt befähigt sind, wird dabei übersehen. Unter gewissen gesellschaftlichen Bedingungen ist Liebe einfach nicht mehr möglich. Es kam also schlimmer, als es George Orwell in 1984 (7) vorrausahnte. Die Liebe musste nicht von einem totalitären System verunmöglicht werden. Schon allein aufgrund der Totalität der so genannten freien Gesellschaft wird Liebe immer undenkbarer.

  1. http://www.zeit.de/kultur/literatur/2009-11/sven-hillenkamp/seite-1  (28. November 2011)
  2. http://www.verfuehrung.info/beziehungsunfaehig.php  (28. November 2011)
  3. http://jungle-world.com/artikel/2010/38/41765.html  (28. November 2011)
  4. Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, in: Marx Engels Werke 1 Band, Berlin 2006
  5. Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch, München 2005
  6. Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt am Main 2003
  7. Heirat war an die Zustimmung der Partei gebunden. Fanden sich die Eheleute attraktiv wurde der Ehe-Antrag abgelehnt. Mehr noch als die Liebe sollte in der Welt von 1984 jede Erotik aber auch die Promiskuität verhindert werden. So etwas wie eine Liebesaffäre war sowieso undenkbar.
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Adorno über faschistische Propaganda und Palästina

Adornos Forschungstexte zum Buch „Studien zum autoritären Charakter“, dass in den 1970er Jahren auch auf Deutsch erschien, entstanden bereits Ende der 1940er Jahre. Im letzten Abschnitt des Buches beschäftigt sich dieser mit den Radio-Ansprachen des evangelikalen Priester Thomas Martin Luther. Eher seinem Namensvetter Luther als Calvin anhängend, gründete er die pro-faschistische Organisation Christian American Crusade und war in den 1930er Jahren als Radio-Agitator tätig. Anhand seiner Person expliziert Adorno sowohl die Techniken der faschistischen Führer, als auch jene gesellschaftlichen Entwicklungen, die diesen in die Hände spielen. Da sich die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Menschen leben müssen, sich seit seiner damaligen Studie nicht zum Besseren gewandelt haben, liest sich das Buch überaus aktuell. Auch in Hinblick auf Palästina:

„Brücke zwischen theologischem Anti-Judaismus und faschistischem Antisemitismus ist Palästina. Scheint auch das Thema auf den ersten Blick ziemlich weit hergeholt, haben doch Berichte über die Neuansiedlung und Expansion der Juden wahrscheinlich eine bestimmte Bedeutung für die Antisemiten. Zu ihren fundamentalsten Triebkräften gehört die Klage, daß die Juden >da< sind. >Sie müssen raus< ; >sie sind hier nicht erwünscht.< Sie betrachten sie als Eindringlinge und Rechtsverletzter und empfinden ihre bloße Existenz als Bedrohung der Möglichkeit, sich >zu Hause< zu fühlen. In Wirklichkeit aber wollen sie sie an keinem Platz der Erde dulden. Sie beschuldigen sie, nach der Weltherrschaft zu streben und hegen doch selbst diesen Wunsch. Die Juden sind ihnen Symbol dafür, daß sie noch nicht die ganze Welt besitzen. Thomas´ zeitweilige verworrene Hinweise auf die Niederlassung der Juden in Palästina als Zeichen der herannahenden Tage des Jüngsten Gerichts, die nicht zu erkennen geben, ob er sie begünstigt oder ablehnt, reflektiert die Ambivalenz der Nationalsozialisten gegenüber dem Zionismus. Sie begrüßten ihn als Mittel, die Juden loszuwerden und erachteten ihn als gefährlich – oder gaben es wenigstens vor -, weil sie die Ausbreitung eines jüdischen Nationalismus über die Landesgrenzen befürchteten. Hinter dieser Ambivalenz zeichnet sich der Schatten eines tödlichen Hasses ab. Nach faschistischem Denken sollen die Juden weder bleiben dürfen, wo sie sind, noch die Möglichkeit haben, eine eignen Nation zu bilden. Ausrottung ist die Alternative. Ihre Niederlassung wird als Tatsachenbericht geschildert, die bloße Ausdrucksweise aber hat einen drohenden Aspekt. Das Publikum soll schaudern bei der Vorstellung der angeblich ungeheuerlich angewachsenen jüdischen Macht in Palästina, vor ihrem schreckenerregenden und gefährlichen Bild, und es mag seine Wut sogar anfeuern, wenn in den Berichten keine Namen genannt werden.“ (Theodor W. Adorno: Studien zum autoritären Charakter, S. 468-469)

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Verantwortung?

„Tragen die Palästinenser die mindeste Verantwortung für die Shoah?“, ist die rhetorische Frage des Bloggers Schmok, die er aus einem taz-Kommentar von Dominique Vidal entlehnt hat. Besagter Blogger widmet sich dem Kampf gegen den weit verbreiteten Vorwurf, die Palästinenser seien die neuen Nazis. Zumindest mir  war dieser Vorwurf bisher völlig unbekannt, aber ich halte mich von politischen Szenen mit Hang zur Selbstviktimisierung auch fern. Als Vertreter dieser Position gibt Schmok die Personen Tilman Tarach und Alex Feuerherdt an. Zitate um das behauptete zu Belegen fehlen, eine Unart die man sich leisten kann, wenn man die vom Wahn befallenen auf seiner Seite weiß.  Eine Recherche auf der Suchmaschine von Google bestätigte die Vermutung: Im deutschsprachigen Raum gibt es diesen Vorwurf nicht, weder hat ihn Tarach, Feuerherdt noch sonst irgendjemand geäußert. Der einzige der diesen Vorwurf bisher verwendete, war Schmok selbst. Ohne danach gesucht zu haben, stößt man dagegen schnell auf Vergleiche und Analogien zwischen Nazis und Israelis.

Kommen wir zurück zur Eingangsfrage: „Tragen die Palästinenser die mindeste Verantwortung für die Shoa?“ Nun ist schon die Frage falsch gestellt. Denn zur Zeit der Vernichtung des europäischen Judentums durch die Nationalsozialisten und ihrer (auch muslimischen[1]) Hilfsvölker gab es weder eine Staat namens Palästina, noch verstanden sich die Araber auf diesem Gebiet als Palästinenser. Gemeint sind wohl die Araber auf dem Gebiet des damaligen britischen Mandatsgebiets. Tragen die Araber nun die mindeste Verantwortung für die Shoa? Angestoßen und durchgeführt haben sie die Shoa nicht, das ist klar. Aber es war der antibritische und antizionistische Aufstand der von 1936 bis 1939 dauerte und in den letzten zwei Jahren  von den Nazis finanziell und mit Waffen unterstützt wurde, mit dem die Araber den quasi  Zuwanderungsstopp von Juden nach Palästina erzwangen. Natürlich hätten die Briten 1939 diesem Druck in Form des Weißbuchs nicht nachgeben müssen, doch das Empire wollte die Araber nicht ganz vergraulen und so schlossen sich die letzten Flucht-Tore für die europäischen Juden kurz vor dem Beginn des Holocaust. Doch damit nicht genug: Die höchste religiöse Autorität dieses Gebietes war der Großmufti von Jerusalem. Von sich aus ging er immer wieder auf die Nazis zu und bat im Kampf gegen die Zionisten um Unterstützung. Nazi-Deutschland war Mitte der 30er Jahre aber noch an einem  Bündnis mit Großbritannien bemüht.  Die angestrebte Kampfgemeinschaft mit dem Empire war jedoch nicht der einzige Grund für die Zurückhaltung Deutschlands: In Hitlers „Mein Kampf“ hatte sich dieser eher verächtlich und abwertend über die Araber geäußert. Doch in diesen „Rassefragen“ zeigte sich der Nationalsozialismus flexibel. [2]

Der von Schmok zitierte Dominique Vidal hält Amin el-Hussaini, den Großmufti von Jerusalem, dagegen für ein marginales Problem. Unter ihm hätten nur Muslime vom Balkan gekämpft. Würde sich seine Tätigkeit tatsächlich nur auf das Aufstellen der Handschar-Division[3] beschränken, man könnte Vidal vielleicht sogar recht geben. Denn mit Fortdauer des Krieges lief ein großer Teil dieser Division zu den Partisanen über. Vergessen hat Vidal nur folgendes: In der Nacht vom 1. auf den 2. April 1941 kam es im Irak zu einem pro-deutschen Putsch der irakischen Offiziere. Die Grundvoraussetzungen dafür waren äußerst günstig: Nach britischer Geheimdienstangabe waren 95% der irakischen Bevölkerung deutschfreundlich eingestellt. Auch in Syrien soll die Stimmung damals ähnlich gewesen sein. [4]Nach der Machtübernahme der irakischen Offiziere wurde eine pro-nazistischen Regierung unter Ministerpräsident al-Galiani ausgerufen. Auch hier war der Großmufti von Jerusalem involviert. Aufgrund fehlender Luftunterstützung der Nazis hielt sich die Regierung jedoch nicht lange und Hussaini flüchtete nach Berlin und wurde dort ein vertrauter Himmlers. Neben seiner Tätigkeit bei Radio Zeesen, das täglich Nazipropaganda in den Nahen Osten aussendete, zeigte er ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft wenn es darum ging jüdische Kinder in den sicheren Tod zu schicken. Ihm wurde im April 1944 auch die Ehre zuteil, die Eröffnungsrede für ein Imamen-Institut im sächsischen Guben zu halten. Für sein Engagement bekam er 1946 Sonderlob von Hassan al-Banna, dem Gründer der ägyptischen Muslimbrüdern. „Ja, dieser Held der ein Empire herausforderte und den Zionismus bekämpfte, mit der Hilfe von Hitler und Deutschland. Deutschland und Hitler sind nicht mehr, doch Amin Al-Husseini wird den Kampf fortsetzen.“[5]  Und dies tat er nach 1945 auch und nahm Yassir Arafat politisch unter seine Fittiche. Für Vidal alles vernachlässigbare Kleinigkeiten. Aufgewogen soll dies dadurch sein, dass die überwiegende Mehrheit der Palästinenser für die Alliierten gegen die Nazis kämpfte. Was sagt das britische War Secratary dazu? Während des ganzen 2. Weltkrieges hatten sich 9041 Araber zum Dienst gemeldet. Bereits eine Woche nach Kriegsbeginn lag die Zahl der jüdischen Freiwilligen bereits fünfzehn Mal darüber. Dies nur um die Relationen zu erkennen. Da die Briten die Araber auch nach Beginn des 2. Weltkriegs nicht an die Deutschen verlieren wollten, wurden anfangs Regelungen erlassen, dass nur so viele Juden wie Araber in der britischen Armee kämpfen durften. Dies verminderte natürlich die Schlagkraft der alliierten Streitkräfte. Erst das rasante Vorrücken der deutschen Armee in Nordafrika ließ die Briten umdenken. Wie hoch die Kollaborationswilligkeit der Araber gewesen wäre, wenn Rommel bis nach Palästina durchgebrechen hätte können bleibt Spekulation. Sicher ist nur, dass die Juden in Palästina vernichtet worden wären.

Quellen und Leseempfehlungen:

Jeffrey Herf: Nazi Propaganda for the Arab World

Klaus-Michael Mallmann/Martin Cüppers: Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina


[1] Bis zu 170 000 sogenannter Ostlegionäre kämpfen in der deutschen Wehrmacht. Ungefähr zwei Drittel davon waren Muslime. Auf der Halbinsel Krim liefen die Krimtataren geschlossen zu den Nazis über. Sie waren die einzige muslimische Gruppe in dieser Region. Das Engagement wurde von den Deutschen belohnt. Für die Bataillone wurden eigene Mullahs gestellt. Auch in Frankreich kämpfte eine Einheit bestehend aus Arabern gegen die dortige Résitance.

[2] Schlussendlich machte nicht einmal der Terminus „Antisemitismus“ Probleme. NS-Nahostexperten hatten zwar schon früh davor gewarnt, dass man den Antisemitismus missverstehen könnte, weil ja auch Araber „Semiten“ seien. Doch von Seiten der Nationalsozialisten wurde darauf hingewiesen, dass sich der Terminus ausschließlich gegen Juden richte. Dem Großmufti von Jerusalem war dies jedoch zu wenig und so wurde von Himmler 1943 die Weisung ausgegeben, das Wort Antisemitismus habe in der deutschen Presse zu unterbleiben.

[3] Alles andere als glücklich waren die kroatischen Ustaschas. Diese verachteten die Muslime und taten daher alles um die Aufstellung einer solchen SS-Division zu verhindern. Erst nach Intervention hoher Nazistellen bei der kroatischen Regierung brach der Widerstand.

[4] In Syrien gab es während des 2. Weltkriegs fast nur achsenfreundliche Parteien. Die über Syrien abgeworfenen Flugblätter der Nazis, die die Botschaften el-Hussainis enthielten, wurden von der arabischen Bevölkerung fleißig gesammelt. Die deutsche Wehrmacht rechnete aus diesem Grund bei einem Einmarsch in Syrienmit keiner Gegenwehr, sondern mit einer Bevölkerung die bereitwillig kollaborierte.

[5] „Hassan Al-Banna and the Mufti of Palestine“ in „Contents of Secret Bulletin of Al Ikhwan al-Muslimin dated 11 June 1946“, Cairo (July 23, 1946), NACP RG 226 (Office of Strategic Services), Washington Registr SI Intelligence, Field Files, entry 108A, box 15, folder 2. Zitiert nach: Jeffrey Herf: Nazi Propaganda for the Arab World, Yale 2009

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Kritik und Metaphysik

Der folgende Text ist eine Gedankensammlung und dient zur Selbstverständigung über ein Thema. Kritik nehme ich daher gerne an.

These: Die Metaphysik stieß im spätantiken Christentum auf große Ablehnung, erst durch islamische Quellen wurde sie im Rahmen der Scholastik in den Katholizismus aufgenommen und begünstigte damit indirekt die Religionskritik. Im Islam setzte sich die metaphysische Philosophie dagegen nicht durch.

Gedankensammlung: Im Zeitalter des Positivismus werden viele mit dem Begriff Metaphysik nichts anfangen können. Deshalb sei hier eine vereinfachte Erklärung voran gestellt: In der Metaphysik versucht man, Aussagen über die Struktur der Wirklichkeit und die Möglichkeit der Erkenntnis aus reinem Denken zu gewinnen, damit steht sie auch in Opposition zu dogmatischem Denken.

Die Metaphysik wird in unseren Tagen meist mit der Theologie, namentlich der Katholischen in eins gesetzt. Dabei war die Beziehung zwischen beiden nicht ohne Spannung. Hat die Metaphysik doch immer etwas kritisches an sich, dass gegen Dogmen und Offenbarungen argumentierte. Zugleich verfügt die Metaphysik über eine konservative Seite, die bestehendes argumentativ festigen will. Beide Momente begünstigten die Wiederaneignung der Metaphysik im europäischen Hochmittelalter. Theodor W. Adorno dazu in seiner Vorlesung zur Metaphysik aus dem Jahr 1965: „Und es ist kein Zufall, daß Metaphysik im Hochmittelalter wieder auferstanden ist in der Zeit der städtischen bürgerlichen Kultur, in der die naive Unmittelbarkeit zu dem christlichen Glauben bereits erschüttert war; und dann ein zweites Mal in der Gesamtbewegung des Denkens, die man im allgemeinen durch Begriffe wie Renaissance, Reformation, Humanismus einzugrenzen pflegt.“ Leider verbleibt die Analyse von Adorno hier auf der rein beschreibenden Ebene. Interessant wäre die Darstellung der polit-ökonomischen Verhältnisse gewesen, die ein kritisches Denken begünstigt haben. Festzuhalten bleibt aber: Da der naive Glaube an Gott zerstört war, musste er nun vernünftig und  argumentativ bewiesen werden. Doch wo ein Gottesbeweis versucht wird, gibt es auch die Möglichkeit die nicht-Existenz Gottes zu beweisen. Hier lassen sich die Ursprünge der Religionskritik verorten.

Die Grundtheorien der Metaphysik entstammen bereits dem antiken Griechenland und wurden im frühen Christentum teils gewaltsam unterdrückt. In seinen Vorlesungen zur Metaphysik beschrieb Theodor W. Adrono wie in der Spätantike das zur Staatsreligion gewordene Christentum in Athen begann die Philosophieschulen zu schließen und gar zu Unterdrücken. Wie kam nun aber die griechische Philosophie in den Katholizismus und ermöglichte damit die Herausbildung der Scholastik? Stramme Kämpfer für das Abendland werden es nicht gerne hören, aber dafür, dass der Katholizismus sich so entwickelte wie er es tat, sind unter anderem islamischen Philosophen verantworlich, die die griechischen Texte wiederentdeckten. Die Geschichte war eben schon früh eine Weltgeschichte, in der es kaum möglich war, dass sich Kulturen völlig unabhängig voneinander entwickelten.

Dass sich die Metaphysik im Islam aber nicht durchsetzten konnte, werden nun jene Islamapologeten nicht gerne hören, die gerne auf diese kurze und schlussendlich gescheiterte Episode des Islams verweisen. Lassen wir dazu erneut Adorno zu Wort kommen: „Und, nebenbei bemerkt, hat sich in der großen theologischen Reaktion des Islam gegenüber den Aristotelischen islamischen Philosophen dann noch einmal genau dasselbe wiederholt [wie im spätantiken Christentum]; zu einer Zeit freilich, zu der bereits das metaphysische Erbe, durch islamische Philosophen vermittelt, sich in dem christlichen Europa seine Stelle erobert hat. Man empfand also damals in der Spätantike die Metaphysik gegenüber dem Christentum ausdrücklich als etwas Subversives. Und ganz ähnlich dachten dann auch die fanatischen islamischen Mönche, die die Philosophen in die Verbannung getrieben haben.“ Auch hier wäre nach den Bedingungen zu Fragen, die zum Scheitern der metaphysischen Philosophie im Islam geführt haben. Eine Frage auf die ich im Moment keine Antwort weiß.

Und eben hier, im Erfolg und nicht-Erfolg der griechischen Philosophie in Christentum und Islam liegt der Grund, warum allgemeine Religionskritik zu hinterfragen ist. Zwar sollte Kritik keine Religion ausnehmen aber nicht alle Religionen sind gleich zu kritisieren.

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Edward Saids semitische Rassenkunde und der Beifall der Antirassisten

Nachdem die Methode der Skandalisierung im Saidschen Werk schon einer Kritik unterzogen wurde, soll es nun um Offenlegung des Interesses von Said gehen, mit der das Buch „Orientalismus“ geschrieben wurde. Dafür braucht es aber nicht einmal das Seziermesser der Ideologiekritik, denn Said plaudert seine Motivation, die zum verfassen des Buches geführt hat, offen aus:  „Drei Dinge haben dazu beigetragen, noch die unverfänglichsten Belange der Araber und des Islam in hochpolitisierte, fast brisante Fragen zu verwandeln: erstens die westlich Tradition der antiarabischen und antiislamischen Vorurteile, die sich unmittelbar in der Geschichte des Orientalismus widerspiegeln, zweitens der alte Konflikt zwischen Arabern und israelischen Zionisten, mit seinen Auswirkungen auf die Juden, die liberale Kultur und die Gesamtbevölkerung Amerikas, und drittens das fast völlige Fehlen einer kulturell verankerten Position, die es ermöglichen würde, für die Araber und den Islam Partei zu ergreifen oder zumindest Leidenschaftlich darüber zu diskutieren.“ (Edward Said 2010, S. 38)

Er legt die Karten auf den Tisch: Er will dazu beitragen, dass man im „Westen“ endlich auch Position für den Islam und die Araber bezieht – vor allem wohl im israelisch-arabischen Konflikt. Dafür muss er nun einen Weg finden Israel zu De-Legitimieren. Israel ist dem Selbstverständnis nach die Schutzmacht all derer, die vom Antisemitismus betroffen sind. Auch die meisten  Freunde Israels im Westen sehen dies so und das weiß Said natürlich. Um das nun zu untergraben, hat er sich etwas ganz originelles einfallen lassen: Eine semitische Rassentheorie, daher schreibt er: „Wie Leon Poliakov gezeigt hat (freilich ohne Hinweis darauf dass nicht nur Juden, sondern auch die Muslime >Semiten< sind), dominierte der Ariermythos die historische Anthropologie wie auch die Kulturanthropologie auf Kosten der >minderen< Völker.“ (Edward Said 2009, S. 120)

Hier lügt Said, dass sich die Balken biegen. Poliakov hat nicht nur nicht darauf hingewiesen, sondern solchem Unsinn sogar explizit widersprochen: „Weil wir selbst, so sagen die arabischen Ankläger immer wieder, >Semiten< sind, können wir unmöglich >Antisemiten< sein. Dadurch lässt sich ein durch die Hitlerzeit sensibilisiertes Bewußtsein auf Anhieb beeindrucken – waren doch alle, die das III. Reich zu >Semiten< erklärte, samt und sonders zum Tode verurteilt. Sieht man jedoch genauer hin, dann erweckt diese Behauptung nur den >arischen Mythos< wieder zum Leben, den die antisemitische Tradition ganz und gar frei erfunden hat. (…) Soll man da wirklich glauben, daß einzig und allein die Araber sich einer Immunität oder gar einer besonderen Allergie gegen den Antisemitismus erfreuen? Es ist schon fast peinlich, sich mit dieser ersten Behauptung auseinander zu setzten zu müssen, aber gleichwohlerinnert uns diese alberne Sottise an die Gefahren einer Verbalrhetorik, die sich sehr wohl auch zu anderen Zwecken gebrauchen läßt, gerade in einer Zeit in der affektiv hochgradig besetzte Begriffe wie Imperialismus, Rassismus und viele andere hoch im Kurs stehen. (Leon Poliakov 2006, S. 93-94)

Said kann es sich aber erlauben so schamlos zu lügen, wer hat denn schon Poliakov gelesen? Und für einen Theoretiker der es sowieso nicht mit der Wahrheit hat, ist eine kleine Lüge nicht schlimmer als eine große. Unbeirrt fährt der Hobby-Rasse-Forscher mit dem Ziel gegen Israel Stimmung zu machen fort: „Bei keinem anderen Volk konnte man besser das Heute und den Ursprung zusammensehen als bei den orientalischen Semiten. Die Juden und die Muslime ließen sich angesichts ihrer primitiven Ursprünge als Objekte der Orientalistik leicht verstehen.“ (Edward Said 2009, S. 268)

Die radikalsten Exponenten des Antisemitismus, die Nationalsozialisten, kommen bei Said so gut wie nicht vor. Wie die Kollaboration mit den nach Said semitischen Arabern und Muslimen mit den Nationalsozialisten mit keinem Wort Erwähnung wird. Beides würde seinem politischen Vorhaben nur im Wege stehen. Die Nazis hätten der Saidschen Rassentheorie nämlich schärfstens widersprochen.

In einer nationalsozialistischen Propagandabroschüre kann man folgendes nachlesen: „How stupid it is to claim that Germany today directs this concept [anti-Semitism] against Arabs. As every child in the world knows, Jews and Arabs have no cultural traditions in common. Indeed, by instinct and history, they are separate from one another at their very core!” (Hans Alexander Winkler und Konstatin Alexander Freiherr von Neurath in Krieg und Hungersnot)

Bei den Nationalsozialisten ging man Schlussendlich so weit, das Wort Antisemitismus ab 1943[1] nicht mehr zu gebrauchen, um klar zu stellen, dass sich ihre Politik nur gegen Juden wendet. Die Nazis hatten nämlich schon in den 1930 Jahren mit dem Vorwurf zu kämpfen, ihre diskriminierenden Gesetzte richteten sich auch gegen Araber, was die Nazis vehement bestritten und immer wieder darauf hinwiesen, dass sich ihre Rassengesetze ausschließlich gegen Juden richteten.

Im II Weltkrieg wurde das Argument, der Antisemitismus der Nazis richte sich auch gegen Araber, immer wieder von den Alliierten vorgebraucht. Was damals zumindest noch den Zweck hatte, die Araber und Muslime von der Kollaboration mit dem Nationalsozialismus abzuhalten. Bei Said wird dies jedoch zum Propaganda-Trick, um eine Position im Westen populär zu machen, bei der man für die Araber und gegen Israel Partei ergreift.

Doch er belässt es nicht dabei Juden und Muslime zu Semiten zu machen, sondern er behauptet auch, die Muslime hätten die Juden als semitisches Feindbild abgelöst. So schreibt er über den Jom-Kippur-Krieg von 1973 folgendes: „Die Übertragung des volkstümlichen Antisemitismus von einem jüdischen auf ein arabisches Opfer gelang mühelos, da es sich im Wesentlichen um den gleichen Typos handelte.“

Antisemitismus richtet sich also gegen Araber. Und wer die neuen Antisemiten bzw. Orientalisten seien erklärt Said dem interessierten Lesser auch: „Sofern dieser Araber überhaupt eine Geschichte hat, ist sie Teil dessen, was ihm die Tradition der Orientalistik und später des Zionismus gab – respektive nahm (der Unterschied fällt kaum ins Gewicht.)“ Dies meint Said wirklich so, wenn er behauptet Chaim Weizman (Erster Staatspräsident Israels) schreibe über die Araber wie es über Semiten in den Protokollen der Weisen von Zion passiere. (Vgl. Edward Said, S. 351)

Die Araber sind also nun vom Antisemitismus betroffen, während ein Großteil der Juden als Zionisten antisemitisch handelt. Hier schließt sich der Kreis, Said will eine Opferverschiebung erreichen. Nicht die Juden seien Opfer des Antisemitismus sondern die Muslime, weshalb die Unterstützung für Israel antisemitisch und der Antizionismus geradezu löblich sei. Mit einer semitischen Rassentheorie zieht man gegen Israel zu felde und feiert dies als antirassistischen und antikolonialistischen Kampf ab – und wie leider viel zu oft, macht dies gerade die Linke.


[1] http://www.ns-archiv.de/verfolgung/antisemitismus/begriff_abschaffen.php

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„Der Funke“ und seine nationalrevolutionären Leser von der NPD

Wenn ich an die Zeitschrift „Der Funke“ denke, kommen mir immer diese halb-geschulten Agitatoren in den Sinn, die mir auf Demonstrationen um wenig Geld ein Exemplar besagter Zeitschrift verkaufen wollten. Aus Mitleid oder aus Szene-Druck heraus, hab ich mir dann mal ein Exemplar andrehen lassen. Die Zeitschrift habe ich auch wirklich versucht zu lesen, aber sie gab mir nichts: Weder erzählte sie mir etwas, was ich interessant fand, noch stimmte sie mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit überein. Viele längst überholte linke Glaubenssätze, die kritiklos hingeschrieben wurden, vermiesten mir den Lesegenuss.

Jetzt weiß ich nicht um die Differenzen zwischen der deutschen und der österreichischen Ausgabe des Funken. Vom Layout und vom Inhalt sehen sie sich ziemlich ähnlich. Nur die Parteien, in die die Trotzkisten des jeweiligen Funken vorstoßen wollen sind andere:  In Deutschland in „die Linke“ in Österreich in die SPÖ.

Zumindest der deutsche Ableger des Funken wird auf mich als Leser nun gut und gerne verzichten können, hat er doch eine beträchtliche Anzahl neuer Interessenten – die sogar eine eigene revolutionäre Partei betreiben. Aber lassen wir die Neo-Leser des deutschen Funken selbst zu Wort kommen: „In der aktuellen Ausgabe der sozialistischen Zeitschrift „der Funke“ ist interessanterweise genau definiert, wie die klaren Ziele der antiimperialistischen Strömung aussehen und wie viele Gemeinsamkeiten mit dem weltanschaulichen Fundament der NPD vorhanden sind.“

Dies ist nun keine polemische Kritik, sondern aus einem Text der NPD-Hamburg entnommen. Was denn nun die weltanschaulichen Gemeinsamkeiten sind, davon weiß die NPD ganz genau zu berichten: „Zu nennen ist unter anderem der politische Kampf für ein freies, soziales und kulturelles Leben innerhalb eines deutschen Volksstaates. Desweiteren wird die Achtung und Erhaltung der Natur und des Tierschutzes aufgeführt. Auch der geistige Widerstand gegen den Kapitalismus, gegen die Ausbeutung sozial benachteiligter Angehöriger unseres Volkes, sowie der Kampf gegen politische Repression, internationale Kriege der USA und die Zersetzung der geistigen und kulturellen Substanz unseres Volkes sind Bestandteile der Forderungen der Zeitschrift, die die NPD Hamburg voll und ganz unterstützt!“

Was die antiimperialistischen Nationalrevolutionäre der NPD-Hamburg nicht verstehen: Warum können linke und rechte Antiimperialisten nicht zusammenarbeiten wenn sie sich doch so ähnlich sind? An der NPD scheitert es zumindest nicht: „ Angesichts dieses Sachverhaltes stellt sich doch die Frage, warum der Dialog zwischen den Vertretern der Antiimperialisten und nationalrevolutionären Kräften aus NPD, JN und freien Kräften nicht zustande kommt.“

In der antiimperialistischen Linken wird man sich durch solche Avancen nicht aus dem Konzept bringen lassen. Denn ein guter Antiimperialist weiß, wer die eigentlichen Nazis sind: Die imperialistischen Unterstützer des Zionismus – auch seine kommunistischen. Dass sie genau dafür von den echten Nazis Applaus bekommen, ist für einen Trotzkisten wohl nur ein Nebenwiderspruch.

Auf den Text der NPD bin ich durch das Anti-Defamation-League Forum gestoßen.

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Edward Said: Die Methode der Skandalisierung

Edward Said hat mit seinem Buch Orientalismus eines der wichtigsten Werke zum Thema Imperialismus und westliche Dominanz vorgelegt. Spätestens jedoch beim Lesen des Buches fragt man sich: Wie kann so ein banales und wenig durchdachtes Buch so einen Einfluss bekommen, der bis hinein in die wissenschaftliche Diskussion reicht?

Sein Werk baut auf einer anscheinend radikalen Einsicht auf – so etwas wie den Orient gibt es nicht, er wurde willkürlich erfunden und zur Machausübung über die „Orientalen“ von den Kolonisatoren benutzt. Aber wie der Baum so heißt, weil der Mensch ihn so benennt und nicht weil der Baum es ihm gesagt hat, bekommen auch Weltgegenden ihre Bezeichnungen von Menschen. Diese sind immer irgendwie willkürlich, weil nichts von Natur aus einen Namen hat. Diese Banalität ist nun die Grundlage des Buches von Said und er selbst schreibt: „Begonnen hatte ich mit der Annahme, dass der Orient keine simple Naturgegebenheit  ist – also genauso wenig einfach da wie der Okzident. (…) Als gleichermaßen geographische wie kulturelle – um nicht zu sagen historische – Konstrukte sind auch Gegenden, Regionen, geographische Zonen wie „Orient“ und „Okzident“ bloßes Menschenwerk.“ (Eward Said 2010, S. 13)

Aus dieser Erkenntnistheoretischen Banalität entwirft er nun seine Theorie des Orientalismus: „Weil es aus einer Stärke heraus entstand, kann das Wissen über den Orient diesen selbst, den Orientalen und dessen Welt, gleichsam erschaffen.“ (Edward Said 2010, S. 54) Die Erschaffung des Orients ist also ein fremdbestimmtes und imperialistisches Projekt. Ob und wie Begriff und Sache zusammenfallen muss Said daher gar nicht mehr beachten: „Wir brauchen also gar nicht nach Entsprechungen zwischen den Beschreibungen des Orients und dem Orient selbst zu suchen, jedoch nicht deshalb, weil die Sprache ungenau wäre, sondern weil sie gar keine Genauigkeit anstrebt.“ (Edward Said 2010, S. 89) Ob eine Beschreibung den Tatsachen entspricht oder nicht ist daher völlig irrelevant und muss auch nicht diskutiert werden. Die Theorie ist sehr angenehm, man muss nichts argumentieren oder beweisen. Denn man kann sowieso keine wahre Aussage den über „Orient“ machen. Die Methode von Said ist es daher, Aussagen über den Nahen Osten beziehungsweise Orient zu skandalisieren und diese per se als unwahr zurückzuweisen.

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Über George Orwell, Gandhi und die Gefährlichkeit des Pazifismus

„Da Pazifisten mehr Handlungsfreiheit in Ländern haben, in denen Ansätze der Demokratie bestehen, können Pazifisten effektiver gegen die Demokratie wirken als für sie. Objektiv betrachtet ist der Pazifist pro-nazistisch.“ (George Orwell)

Vielen ist George Orwell als Autor von Animal Farm und 1984 bekannt. Beides Bücher, in denen der sowjetische Kommunismus einer scharfen Kritik unterzogen wird. Wahrscheinlich liegt ein Teil des Erfolges der beiden Romane auch darin gelegen, dass sie dem antikommunistischen Ressentiment[1] nach 1945 Argumente lieferten. Ansonsten kann nur schwer erklärt werden, warum einem in der Schule, neben der ganzen Besinnungs-Literatur, für das das Buch „der Vorleser“ nur exemplarisch steht, auch George Orwell präsentiert wird.  Orwell selbst kann dies aber nicht angelastet werden. Er schrieb seine Kritik um den Gedanken an den Kommunismus zu retten und hatte zeitlebens auch nie ein Geheimnis um seine Sympathie für eine vernünftig eingerichtete Welt gemacht. In seinem Text „Zur Verhinderung von Literatur“ aus dem Jahre 1946 schrieb er: „Einem kann man zustimmen, und die meisten aufgeklärten Menschen tun dies auch: daß, wie die Kommunisten erklären, wahre Freiheit nur in einer klassenlosen Gesellschaft möglich sei und daß heute derjenige schon annähernd frei ist, der für das Zustandekommen einer solchen Gesellschaft kämpft.“ (George Orwell 1975, S. 81)

Dass seine Bücher überhaupt antikommunistisch vereinnahmt werden konnten, lag an der großen Mehrzahl der Linken und Kommunisten die noch jeden Irrsinn der Sowjetunion verteidigten (Oder die Sowjetunion dann kritisierten, wenn sie etwas richtig machte: Afghanistan ab 1979) und es damit den Reaktionären überließen, die niederschmetternde Realität in der Sowjetunion zu beschreiben und zu kritisieren.

Orwell war deshalb auch einer der schärfsten Kritiker der linken Intellektuellen und Parteikommunisten, die er in den 1940er Jahren als größte Feinde der geistigen Freiheit benannte. Jene Parteisoldaten nahmen es aufgrund der Parteilinie nie so genau mit der Wahrheit, denn sie hätte ja der Partei des Kommunismus schaden und den Reaktionären in die Hände spielen können. Außerdem musste man als Moskautreuer-Kommunist flexibel sein: Was heute noch als unumstößlich galt, konnte morgen schon ein antikommunistischer Glaubenssatz sein. Das Erbe jener Tage ist die in der Linken beliebte Ablehnung einer verbindlichen Wahrheit und der Siegeszug der postmodernen Theoriebildung. Zudem ist man heute meist antiautoritär und lässt sich nicht mehr von Parteizentralen die täglichen Wechsel der Glaubenssätze diktieren, sondern macht das selbstbewußt und autonom: Dies schlägt sich im zyklisch wechselnden Bekenntnis zu neuen Identitäten, Zeitschriften, Ländern, Religionen oder Essgewohnheiten nieder. Man ist nicht fähig bei einer Sache zu bleiben.

Aber zurück zu George Orwell. Nicht so bekannt wie seine zwei „Hauptwerke“ sind seine Essays zu verschiedensten Themen, auf eines soll kurz eingegangen werden. In seinem Text „ Gedanken über Gandhi“ setzt er sich mit der Führungsfigur des Indischen Befreiungskampfes gegen Großbritannien auseinander. Er verhehlt keinesfalls seine Abneigung gegen Gandhi, er spricht sogar davon, dass er eine Art ästhetische Abscheu gegen ihn hege, trotzdem bleibt die Kritik gegen Gandhi immer nachvollziehbar. Orwell hält im zugute, dass er bei seinem gewaltlosen Kampf für die Unabhängigkeit nie Hass gegen England geschürt habe. Daher seien in Zukunft sogar freundschaftliche Beziehungen zwischen Indien und Großbritannien möglich. Zudem sei er im Vergleich zu anderen politischen Führern der damaligen Zeit geradezu angenehm.  Nicht so nachsichtig ist Orwell aber mit den europäischen Bewunderern des indischen Politikers: „In späteren Jahren war es üblich, von Gandhi so zu sprechen, als ob er nicht nur mit der westlichen linken Bewegung sympathisiere, sondern ihr geradezu als Mitglied angehöre.“ (George Orwell 1975, S. 163)

Vor allem Anarchisten und Pazifisten hätten so gehandelt und dabei die inhumanen und reaktionären Inhalte seiner Politik völlig übersehen. Für Gandhi war die reale Welt ein Ort der es zu entrinnen galt, für ihn war nicht der Mensch das Maß aller Dinge sondern Gott – mit Linken und selbst Liberalen Idealen wäre dies eigentlich unvereinbar, weil es ihnen zu aller erst um den Mensch gehen müsste.

Aus dieser Gott-zentrierten Grundhaltung resultieren Gandhis inhumane Positionen. Zuallererst sei die Lustfeindlichkeit des Politikers erwähnt, die bei den Essensvorschriften beginnt, sich über die Ablehnung persönlicher Freundschaft zieht und im Verzicht auf die leibliche Lust gipfelt. Auch wenn diese Lustfeindlichkeit heute in der Linken ziemlich unwidersprochen ausgelebt wird, war die Anziehungskraft Gandhis auf die Linke in Europa während und nach dem zweiten Weltkrieg wohl einem anderen Punkt zu verdanken – seinem Pazifismus. Dabei hätte Gandhi der Linken die Konsequenzen des Pazifismus aufzeigen können.

Westliche Friedensfreunde seien im zweiten Weltkrieg den wichtigen Fragen immer aus dem Weg gegangen, bemängelt Orwell: „Was ist mit den Juden? Kann man ruhig zusehen, daß sie ausgerottet werden? Wenn nicht, was schlagen sie zu ihrer Rettung vor, ohne auf das Mittel des Krieges zurückzugreifen?“ (George Orwell 1975, S. 167) Gandhi habe diese Frage im Gegensatz zur Linken beantwortet und sei ihr nicht ausgewichen: „(…) die deutschen Juden sollten kollektiv Selbstmord begehen, um die ganze Welt und das deutsche Volk gegen Hitlers Gewaltherrschaft aufzurütteln. Nach dem Krieg rechtfertigte er diese Ansicht mit den Worten, die Juden hätten sowieso den Tod gefunden und hätten daher auch um ihrer Sache willen freiwillig sterben können.“ (George Orwell 1975, S. 167) Hier offenbart sich der widerliche Zynismus des Pazifismus, der lieber Millionen von Menschen in den Tod schickt, statt mit Krieg das Ende der Schlächterei zu bewerkstelligen.

Gandhi hatte das Glück mit Großbritannien einen Gegner zu haben, der aufgrund seiner liberalen Ideale  gewaltfrei besiegt werden konnte. Gewaltfreier Widerstand oder Pazifismus setzt einen Gegner voraus, der es moralisch nicht verantworten kann wehrlose Menschen zu töten. Ab den 1920er Jahren traten mit dem Faschismus und viel mehr noch mit dem Nationalsozialismus Bewegungen auf, die sich durch Gewaltfreiheit und Zurückhaltung nicht beeindrucken ließen und dies eher als Schwäche des Gegners deuteten, der sie nur noch mehr anstachelte. Die Leitmotive des Nationalsozialismus waren Gewalt und Vernichtung, ihr Antisemitismus war eine Heilsideologie: Mit dem Massenmord an den Juden sollte die Welt gerettet werden. Gegen einen solchen Gegner hilft kein gewaltfreier Widerstand mehr. Statt Pazifismus und Zurückhaltung wäre daher in den 1930er Jahren eine ernsthafte Kriegserklärung von Seiten der Alliierten an die Adresse von Deutschland nötig gewesen. Dann wäre es wohl niemals zum zweiten Weltkrieg gekommen.

Dies konnte man 1938 noch nicht wissen, heute jedoch schon. Der Popularität des Pazifismus tut dies keinen Abbruch was die Demo-Sprüche wie „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ bezeugen und ehrlicherweise gleich „Nie wieder Krieg gegen den Faschismus“ heißen müssten.

Pazifismus heute

Zumindest hält der Pazifismus einen Teil der Linken noch ab, allzu offensichtlich mit den Antisemiten von der Hamas und der Hisbollah zusammenzuarbeiten. Man begnüngt sich im Kampf gegen Israel und den Zionismus mit Arbeitsteilung. So rechnet die bekannte Queer-Theoretikerin Judith Butler, die beiden antisemitischen Mörderbanden an den Grenzen zu Israel der globalen Linken zu, weil sie im Kampf gegen den Kolonialismus entstanden seien. Natürlich will Butler damit keine Sympathie für Hamas und Hisbollah bezeugen, lehnt sie doch deren gewaltsamen Kampf ab. Wichtig ist aber festzuhalten: Sie hat anscheinend keine inhaltlichen Probleme mit der Hamas und Hisbollah, sondern stört sich nur daran, dass die Zerstörung Israels gewaltsam von statten gehen soll. Dagegen empfiehlt sie einen gewaltlosen Widerstand, der zur internen und Internationalen De-Legitimierung Israels führen soll. Dies könnte sogar erfolgreich sein, weil Israel eben kein faschistisches Land ist, sondern es sich als bürgerlicher Staat nicht leisten kann, wehrlose Menschen zu töten. Die Queer-Theoretikerin dient sich als PR-Beraterin an, um ein judenfreies Palästina gewaltfrei zu realisieren – und dies ist die heutige Gefährlichkeit des linken Pazifismus: Da er gegen wirklich menschenverachtende Gegner nutzlos ist, richtet er sich notgedrungen nur gegen jene Gegner mit einer gewissen Restvernunft (Und wenn es nur jene beschränkte ist, die eine Welt zulässt die nach dem Prinzip der Wertverwertung funktioniert.).


[1] Es ist zu unterscheiden zwischen einer Kritik an der Sowjetunion, die die UDSSR deshalb kritisiert, weil der real-existierende Sozialismus ein autoritäres und unfreies System war, dass wenig mit einer menschenfreundlichen Einrichtung der Gesellschaf zu tun hatte (Das was Orwell reinen Kommunismus nennt): Denn die Sowjetunion hielt in Punkto Freiheit  nicht einmal den Vergleich mit dem liberalen Westen stand. Zum anderen gibt und gab es ein antikommunistisches Ressentiment, das schon jeden Gedanken an eine bessere Welt für totalitär und schlecht erklärte. Deshalb wird auch jedes Argument gegen die Sowjetunion sofort gegen eine vernünftige und menschliche Einrichtung der Welt gewendet.

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Die Fehler des Etienne Balibar

Die Frage die sich heute stellt: Wie kann Diskriminierung von Menschen die als „fremd“ wahrgenommen werden in einer Gesellschaft erklärt werden, die größtenteils auf die rassische Begründung dieser Diskriminierung verzichtet? Der französische Marxist Etienne Balibar schlägt hier vor, von einem differentialistischen Rassismus, einem Rassismus ohne Rassen zu sprechen. Nicht mehr die biologische Vererbung sei der Inhalt dieses Rassismus, sondern die unaufhebbaren kulturellen Gegensätze , daher komme dieser Rassismus auch ohne Rassentheorien aus. (Vgl. Etienne Balibar 1990, S. 28)

An anderer Stelle gibt Balibar jedoch selbst die Mängel seiner eigenen Theorie vom „Rassismus ohne Rassen“ preis. Im Hinblick auf die Tradition und Identität von menschlichen Gruppen schreibt er: „Hier kommt die Tatsache zum Ausdruck, daß ein biologischer oder genetischer „Naturalismus“ keineswegs den einzigen möglichen Modus einer Naturalisierung menschlicher Verhaltensweisen und Gesellschaftlichkeit darstellt.“ (Ebd., S. 29-30) (Ein Blick ins Kapital von Marx genügt um das zu bestätigen)

Damit widerlegt er sich aber selbst: Wenn es also nicht der Rassentheorien bedarf, um zu behaupten, menschliche Gruppen kämen gesellschaftliche Verhaltensweisen aufgrund ihres Wesens oder ihrer Identität zu, ist eben nicht der Rassismus der Grund für diese Naturalisierung, sondern umgekehrt nur eine historisch zufällige Legitimationsfolie dieser Naturalisierung.[1] (Vgl. Clemens Nachtmann 2009, S. 54) Konkret heißt das: Die schon vorher angenommen prinzipielle Unterschiedlichkeit von menschlichen Gruppen, wird nun wissenschaftlich mit der Rassentheorie beschrieben.

Man muss sich immer vor Augen halten: Rassismus oder besser Rassentheorien wurden zu einer Zeit zur Legitimation für die Einteilung der Menschen in verschiedene Gruppen, als fast niemand daran Zweifel hatte, dass Menschen von Natur aus unterschiedlich seien. Heute ist zumindest der Glaube an Rassen größtenteils verschwunden, nicht aber die Begründungen für Ungleichbehandlung und Ausgrenzung, nur werden diese an anderen, unveränderlichen und zum Teil als angeboren angenommenen Identitäten festgemacht. Weiterlesen

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