Edward Saids semitische Rassenkunde und der Beifall der Antirassisten


Nachdem die Methode der Skandalisierung im Saidschen Werk schon einer Kritik unterzogen wurde, soll es nun um Offenlegung des Interesses von Said gehen, mit der das Buch „Orientalismus“ geschrieben wurde. Dafür braucht es aber nicht einmal das Seziermesser der Ideologiekritik, denn Said plaudert seine Motivation, die zum verfassen des Buches geführt hat, offen aus:  „Drei Dinge haben dazu beigetragen, noch die unverfänglichsten Belange der Araber und des Islam in hochpolitisierte, fast brisante Fragen zu verwandeln: erstens die westlich Tradition der antiarabischen und antiislamischen Vorurteile, die sich unmittelbar in der Geschichte des Orientalismus widerspiegeln, zweitens der alte Konflikt zwischen Arabern und israelischen Zionisten, mit seinen Auswirkungen auf die Juden, die liberale Kultur und die Gesamtbevölkerung Amerikas, und drittens das fast völlige Fehlen einer kulturell verankerten Position, die es ermöglichen würde, für die Araber und den Islam Partei zu ergreifen oder zumindest Leidenschaftlich darüber zu diskutieren.“ (Edward Said 2010, S. 38)

Er legt die Karten auf den Tisch: Er will dazu beitragen, dass man im „Westen“ endlich auch Position für den Islam und die Araber bezieht – vor allem wohl im israelisch-arabischen Konflikt. Dafür muss er nun einen Weg finden Israel zu De-Legitimieren. Israel ist dem Selbstverständnis nach die Schutzmacht all derer, die vom Antisemitismus betroffen sind. Auch die meisten  Freunde Israels im Westen sehen dies so und das weiß Said natürlich. Um das nun zu untergraben, hat er sich etwas ganz originelles einfallen lassen: Eine semitische Rassentheorie, daher schreibt er: „Wie Leon Poliakov gezeigt hat (freilich ohne Hinweis darauf dass nicht nur Juden, sondern auch die Muslime >Semiten< sind), dominierte der Ariermythos die historische Anthropologie wie auch die Kulturanthropologie auf Kosten der >minderen< Völker.“ (Edward Said 2009, S. 120)

Hier lügt Said, dass sich die Balken biegen. Poliakov hat nicht nur nicht darauf hingewiesen, sondern solchem Unsinn sogar explizit widersprochen: „Weil wir selbst, so sagen die arabischen Ankläger immer wieder, >Semiten< sind, können wir unmöglich >Antisemiten< sein. Dadurch lässt sich ein durch die Hitlerzeit sensibilisiertes Bewußtsein auf Anhieb beeindrucken – waren doch alle, die das III. Reich zu >Semiten< erklärte, samt und sonders zum Tode verurteilt. Sieht man jedoch genauer hin, dann erweckt diese Behauptung nur den >arischen Mythos< wieder zum Leben, den die antisemitische Tradition ganz und gar frei erfunden hat. (…) Soll man da wirklich glauben, daß einzig und allein die Araber sich einer Immunität oder gar einer besonderen Allergie gegen den Antisemitismus erfreuen? Es ist schon fast peinlich, sich mit dieser ersten Behauptung auseinander zu setzten zu müssen, aber gleichwohlerinnert uns diese alberne Sottise an die Gefahren einer Verbalrhetorik, die sich sehr wohl auch zu anderen Zwecken gebrauchen läßt, gerade in einer Zeit in der affektiv hochgradig besetzte Begriffe wie Imperialismus, Rassismus und viele andere hoch im Kurs stehen. (Leon Poliakov 2006, S. 93-94)

Said kann es sich aber erlauben so schamlos zu lügen, wer hat denn schon Poliakov gelesen? Und für einen Theoretiker der es sowieso nicht mit der Wahrheit hat, ist eine kleine Lüge nicht schlimmer als eine große. Unbeirrt fährt der Hobby-Rasse-Forscher mit dem Ziel gegen Israel Stimmung zu machen fort: „Bei keinem anderen Volk konnte man besser das Heute und den Ursprung zusammensehen als bei den orientalischen Semiten. Die Juden und die Muslime ließen sich angesichts ihrer primitiven Ursprünge als Objekte der Orientalistik leicht verstehen.“ (Edward Said 2009, S. 268)

Die radikalsten Exponenten des Antisemitismus, die Nationalsozialisten, kommen bei Said so gut wie nicht vor. Wie die Kollaboration mit den nach Said semitischen Arabern und Muslimen mit den Nationalsozialisten mit keinem Wort Erwähnung wird. Beides würde seinem politischen Vorhaben nur im Wege stehen. Die Nazis hätten der Saidschen Rassentheorie nämlich schärfstens widersprochen.

In einer nationalsozialistischen Propagandabroschüre kann man folgendes nachlesen: „How stupid it is to claim that Germany today directs this concept [anti-Semitism] against Arabs. As every child in the world knows, Jews and Arabs have no cultural traditions in common. Indeed, by instinct and history, they are separate from one another at their very core!” (Hans Alexander Winkler und Konstatin Alexander Freiherr von Neurath in Krieg und Hungersnot)

Bei den Nationalsozialisten ging man Schlussendlich so weit, das Wort Antisemitismus ab 1943[1] nicht mehr zu gebrauchen, um klar zu stellen, dass sich ihre Politik nur gegen Juden wendet. Die Nazis hatten nämlich schon in den 1930 Jahren mit dem Vorwurf zu kämpfen, ihre diskriminierenden Gesetzte richteten sich auch gegen Araber, was die Nazis vehement bestritten und immer wieder darauf hinwiesen, dass sich ihre Rassengesetze ausschließlich gegen Juden richteten.

Im II Weltkrieg wurde das Argument, der Antisemitismus der Nazis richte sich auch gegen Araber, immer wieder von den Alliierten vorgebraucht. Was damals zumindest noch den Zweck hatte, die Araber und Muslime von der Kollaboration mit dem Nationalsozialismus abzuhalten. Bei Said wird dies jedoch zum Propaganda-Trick, um eine Position im Westen populär zu machen, bei der man für die Araber und gegen Israel Partei ergreift.

Doch er belässt es nicht dabei Juden und Muslime zu Semiten zu machen, sondern er behauptet auch, die Muslime hätten die Juden als semitisches Feindbild abgelöst. So schreibt er über den Jom-Kippur-Krieg von 1973 folgendes: „Die Übertragung des volkstümlichen Antisemitismus von einem jüdischen auf ein arabisches Opfer gelang mühelos, da es sich im Wesentlichen um den gleichen Typos handelte.“

Antisemitismus richtet sich also gegen Araber. Und wer die neuen Antisemiten bzw. Orientalisten seien erklärt Said dem interessierten Lesser auch: „Sofern dieser Araber überhaupt eine Geschichte hat, ist sie Teil dessen, was ihm die Tradition der Orientalistik und später des Zionismus gab – respektive nahm (der Unterschied fällt kaum ins Gewicht.)“ Dies meint Said wirklich so, wenn er behauptet Chaim Weizman (Erster Staatspräsident Israels) schreibe über die Araber wie es über Semiten in den Protokollen der Weisen von Zion passiere. (Vgl. Edward Said, S. 351)

Die Araber sind also nun vom Antisemitismus betroffen, während ein Großteil der Juden als Zionisten antisemitisch handelt. Hier schließt sich der Kreis, Said will eine Opferverschiebung erreichen. Nicht die Juden seien Opfer des Antisemitismus sondern die Muslime, weshalb die Unterstützung für Israel antisemitisch und der Antizionismus geradezu löblich sei. Mit einer semitischen Rassentheorie zieht man gegen Israel zu felde und feiert dies als antirassistischen und antikolonialistischen Kampf ab – und wie leider viel zu oft, macht dies gerade die Linke.


[1] http://www.ns-archiv.de/verfolgung/antisemitismus/begriff_abschaffen.php

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