Edward Said: Die Methode der Skandalisierung


Edward Said hat mit seinem Buch Orientalismus eines der wichtigsten Werke zum Thema Imperialismus und westliche Dominanz vorgelegt. Spätestens jedoch beim Lesen des Buches fragt man sich: Wie kann so ein banales und wenig durchdachtes Buch so einen Einfluss bekommen, der bis hinein in die wissenschaftliche Diskussion reicht?

Sein Werk baut auf einer anscheinend radikalen Einsicht auf – so etwas wie den Orient gibt es nicht, er wurde willkürlich erfunden und zur Machausübung über die „Orientalen“ von den Kolonisatoren benutzt. Aber wie der Baum so heißt, weil der Mensch ihn so benennt und nicht weil der Baum es ihm gesagt hat, bekommen auch Weltgegenden ihre Bezeichnungen von Menschen. Diese sind immer irgendwie willkürlich, weil nichts von Natur aus einen Namen hat. Diese Banalität ist nun die Grundlage des Buches von Said und er selbst schreibt: „Begonnen hatte ich mit der Annahme, dass der Orient keine simple Naturgegebenheit  ist – also genauso wenig einfach da wie der Okzident. (…) Als gleichermaßen geographische wie kulturelle – um nicht zu sagen historische – Konstrukte sind auch Gegenden, Regionen, geographische Zonen wie „Orient“ und „Okzident“ bloßes Menschenwerk.“ (Eward Said 2010, S. 13)

Aus dieser Erkenntnistheoretischen Banalität entwirft er nun seine Theorie des Orientalismus: „Weil es aus einer Stärke heraus entstand, kann das Wissen über den Orient diesen selbst, den Orientalen und dessen Welt, gleichsam erschaffen.“ (Edward Said 2010, S. 54) Die Erschaffung des Orients ist also ein fremdbestimmtes und imperialistisches Projekt. Ob und wie Begriff und Sache zusammenfallen muss Said daher gar nicht mehr beachten: „Wir brauchen also gar nicht nach Entsprechungen zwischen den Beschreibungen des Orients und dem Orient selbst zu suchen, jedoch nicht deshalb, weil die Sprache ungenau wäre, sondern weil sie gar keine Genauigkeit anstrebt.“ (Edward Said 2010, S. 89) Ob eine Beschreibung den Tatsachen entspricht oder nicht ist daher völlig irrelevant und muss auch nicht diskutiert werden. Die Theorie ist sehr angenehm, man muss nichts argumentieren oder beweisen. Denn man kann sowieso keine wahre Aussage den über „Orient“ machen. Die Methode von Said ist es daher, Aussagen über den Nahen Osten beziehungsweise Orient zu skandalisieren und diese per se als unwahr zurückzuweisen.

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